Verpackung
interpack 2026 zeigt Processing & Packaging für die Pharmaindustrie
Freitag 03. April 2026 - Neue Therapien, steigende regulatorische Anforderungen und wirtschaftlicher Druck verändern die Pharmaindustrie spürbar. Produktionsprozesse werden komplexer, vernetzter und anspruchsvoller. Die interpack 2026 bündelt dafür das Angebot konzentriert in drei Hallen.
Die interpack kann beides: Sie bildet die gesamte Processing- und Packaging-Wertschöpfungskette ab – und schafft zugleich gezielte Bereiche für einzelne Anwenderbranchen. Für die Pharmaindustrie entsteht so ein konzentriertes Umfeld, in dem Lösungen, Materialien und Prozesse im direkten Zusammenhang sichtbar werden.
In den Hallen 15 bis 17 zeigen Unternehmen wie IMA, Fette Compacting, Bausch & Ströbel, Uhlmann Pac-Systeme, Groninger, MULTIVAC Health Packaging, Körber Pharma, Romaco, OPTIMA, Harro Höfliger Verpackungsmaschinen, CAM oder die Marchesini Group auf rund 40.000 Quadratmetern ihre Ansätze für Produktion und Verpackung im Pharmabereich. Die Bündelung mit der Kosmetikindustrie ist dabei naheliegend: Beide Branchen stellen hohe Anforderungen an Präzision, Hygiene und Prozesssicherheit und nutzen in vielen Bereichen vergleichbare Technologien.
Neue Therapien, neue Anforderungen, große Chancen
Die Perspektiven für die Pharmabranche bleiben positiv. Weltweit wurden 2024 pharmazeutische Produkte im Wert von rund 1,9 Billionen Euro hergestellt (VDMA/Euromonitor). Bis 2029 wird ein Wachstum von 24 Prozent erwartet. Wachstumstreiber sind vor allem bevölkerungsreiche und wirtschaftlich aufstrebende Märkte wie China, Indien und Brasilien sowie Regionen in Südostasien, Nordafrika und dem Mittleren Osten.
Insgesamt verändern sich die Anforderungen an Produktion und Verpackung deutlich. Neue Therapien sowie hochwirksame Wirkstoffe erfordern flexible und vernetzte Produktionssysteme. Parallel steigen die Anforderungen an Qualität, Sterilität und Rückverfolgbarkeit. Hinzu kommen steigende Kosten, volatile Lieferketten und der Bedarf an effizienteren Prozessen. Wie groß die Herausforderungen sind, verdeutlichen Unternehmen, die 2026 im Pharmabereich der interpack vertreten sind.
Thomas Fricke, Commercial Director bei IMA, beschreibt die Situation wie folgt: „Die Pharmaindustrie steht aufgrund des Vormarsches von Biologika, Zell- und Gentherapien sowie hochwirksamen Wirkstoffen unter erheblichem Druck. All diese Bereiche erfordern fortschrittlichere, flexiblere und vernetzte Technologien. Zudem werden die regulatorischen Anforderungen an Qualität, Sterilität und Rückverfolgbarkeit in Echtzeit immer strenger. In wirtschaftlicher Hinsicht sehen sich die Hersteller mit steigenden Produktionskosten, Schwankungen in der Lieferkette und der Notwendigkeit schnellerer und effizienterer Prozesse konfrontiert.“
Einschätzungen, die Joachim Dittrich, CEO von Fette Compacting, teilt: „Steigende regulatorische Anforderungen, hoher Kosten- und Preisdruck sowie auslaufende Patente zwingen zu kürzeren Time-to-Market-Zyklen. Gleichzeitig verändern hochaktive Wirkstoffe und individualisierte Therapien die Anforderungen an Produktion und Containment. Unternehmen müssen heute Entwicklung, Technologietransfer und Produktion datenbasiert verzahnen, statt isoliert zu optimieren – nur so lassen sich Prozesse effizient, sicher und skalierbar gestalten.“
Damit verbunden entstehen neue Zielkonflikte: „Vor allem steigende Anforderungen an Automatisierung, Datensicherheit und Nachhaltigkeit treiben den Transformationsdruck voran. Verschärft wird das durch regulatorische Vorgaben wie die PPWR. Daraus entsteht ein Zielkonflikt zwischen Produktschutz, reduziertem Verpackungsvolumen und Wirtschaftlichkeit“, beschreibt Michael Mrachacz, CSO & Managing Director Uhlmann Pac-Systeme die Lage.
Automatisierung und Nachhaltigkeit gehen zusammen
Automatisierung oder Nachhaltigkeit lautet nicht mehr die entscheidende Frage. In der Praxis entwickeln sich beide Themen parallel und zunehmend integriert.
„Das ist die zentrale Herausforderung für die Pharmaindustrie, da sich keines dieser Themen isoliert betrachten lässt, ohne andere zu vernachlässigen“, erklärt Thomas Fricke (IMA). „Pharmahersteller investieren daher verstärkt in Automatisierung, KI-gestützte Systeme und durchgängige Datenvernetzung, um Prozesskontrolle, Zuverlässigkeit und Durchsatz zu verbessern. Parallel dazu gewinnt Nachhaltigkeit als eigenständige strategische Priorität an Bedeutung.“
Auch bei der Marchesini Group steht dieses Zusammenspiel im Fokus: „In den vergangenen Jahren haben wir ein interdisziplinäres Team aufgebaut, das sich insbesondere mit der Analyse neuer Verpackungsmaterialien und deren Verarbeitungseigenschaften beschäftigt, um die Anforderungen der PPWR-Verordnung als Chance zu nutzen. Wir treiben die Ablösung von PVC durch recycelbare Monomateriallösungen voran – etwa bei Blistern und Trays – und setzen dabei auf Materialien wie R-PET, PP und PVC-freies Aluminium“, so Valerio Soli, CEO der Marchesini Group.
Effizienz und Nachhaltigkeit gehen heute Hand in Hand und werden nur durch integrierte Prozesskenntnis zu einem echten Erfolgsfaktor, beschreibt Joachim Dittrich (Fette) die Situation. „Die größten Investitionen fließen aktuell in Automatisierung, datenbasierte Prozesslösungen und KI. Wer seine Prozesse datenbasiert steuert, kann Material- und Energieeinsatz messbar optimieren.“
„Ein holistischer Ansatz ist entscheidend“, ergänzt Michael Mrachacz (Uhlmann): „Nachhaltigkeit muss mit Maschinengängigkeit und Effizienz vereinbar sein – dabei unterstützen wir unsere Kunden durch unsere Beratungsservices entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“
interpack 2026 zeigt konkrete Lösungen für die Pharmaindustrie
Was sich in den Investitionsstrategien abzeichnet, wird auf der interpack 2026 konkret sichtbar. Hier finden Pharmaunternehmen Lösungen für Automatisierung, Datenintegration und Nachhaltigkeit.
Marchesini etwa zeigt in Halle 15 Maschinen und Linien für die Pharma- und Kosmetikindustrie. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Innovation – etwa KI-, Robotik- und digitale Lösungen – sowie aseptische Technologien. „Die Marchesini Group wird auf der interpack mehrere innovative Lösungen im Bereich Robotik präsentieren, die zunehmend Künstliche Intelligenz integrieren. Die Pharmaindustrie benötigt immer komplexere, sicherere und vernetzte Produktionslinien, um Produkte von höchster Qualität und Sicherheit zu gewährleisten“, so CEO Valerio Soli zum Messeauftritt. Ebenso in der Halle 15 ist Uhlmann zu finden. „Auf der interpack präsentieren wir in digitaler Form das PTC 200 für Parenteralia in Karton-Mono-Verpackungen sowie die BEC 500 als integrierte Blister- und Kartonierlösung. Im Fokus stehen materialeffiziente, recyclingfähige Lösungen sowie Softwarelösungen und digitale und analoge Services zur optimalen Verbindung von Nachhaltigkeit, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit“, so Michael Mrachacz (Uhlmann).
Auf einer Fläche von über 4.500 Quadratmetern zeigt IMA in der Halle 17 Fortschritte in der sterilen Verarbeitung. „Dazu zählen Magnetschwebetechnologien, die vollständig handschuhlose Abfülllinien für Zelltherapieprodukte ermöglichen – ein Fortschritt bei Kontaminationskontrolle und Prozesssicherheit – sowie eine neue Version im Labormaßstab, die Forschungs- und Entwicklungsteams mehr Flexibilität bietet“, sagt Thomas Fricke (IMA). Weitere Schwerpunkte sind eine neue Generation von Tablettenpressen, nachhaltige Blisterlösungen, automatisierte Kartonierung mit bis zu 70 Prozent schnelleren Umrüstzeiten sowie modulare Systeme für die Montage von Autoinjektoren und End-of-Line-Anwendungen. Ergänzt werden diese Innovationen durch KI-gestützte digitale Tools zur Überwachung und vorausschauenden Wartung.
In der Halle 16 treffen die Besucherinnen und Besucher unter anderen auf Fette Compacting: „Am Stand zeigen wir Continuous Manufacturing mit der FE CPS, neueste Containment-Lösungen sowie Emulatoren und Lab Services. Der Mehrwert liegt in kürzeren Entwicklungszyklen, höherer Produktsicherheit, reduziertem Materialverbrauch und einer flexiblen Produktionsinfrastruktur, die sich nahtlos an neue Produkte und regulatorische Anforderungen anpasst“, so Joachim Dittrich (Fette).



