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Krise im Deutschen Druckmaschinenbau ist hausgemacht

Freitag 27. Januar 2012 - Die Insolvenz und Zerschlagung von manroland ist nach Ansicht des VDM NRW ursächlich nicht allein im Absatzmarkt zu suchen, sondern vor allen Dingen auch ein Ergebnis falscher Strategie und Geschäftspolitik des Druckmaschinenbaus. Wer jetzt vor allen Dingen Unterstützung braucht, sind die ehemaligen Käufer von manroland Maschinen, fordert der Verband.

Sind fehlende Investitionen der Deutschen Drucker sowie strukturelle Veränderungen im Werbeverhalten am Niedergang des einstigen Maschinenbau-Flaggschiffs, dem Deutschen Druckmaschinenbau, Schuld, so, wie es derzeit in einigen Erklärungen vorgebracht wird?

Nein, so Oliver Curdt, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Druck + Medien NRW, dem größten regionalen Druck+Medien Verband in Deutschland. „Das ist eine zu einfache und zu einseitige Erklärung“, so Curdt.

Genauso wenig ist eine schwindende Druckproduktion, ein niedrigeres Volumen, ursächlich für die Krise des Deutschen Druckmaschinenbaus, meint der Verbandschef. „In einer Branche, die einen Preisindex von 95 gegenüber dem Jahr 2005 aufweist, also sinkende Preise, aber gleichzeitig gestiegene bzw. konstante Umsätze, nämlich 20,34 Milliarden Euro im Jahr 2011, hervorbringt, kann dieses nur durch im Schnitt gestiegene Produktionsvolumina gelungen sein“, erklärt Curdt.

Der Verband führt aus, dass jedoch die Produktivität von Prozessen, Maschinen und Menschen in den letzten Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich und deutlich zugenommen hat – „man bezeichnet das auch als Industrialisierung“, so Curdt weiter.

Nach Ansicht des Verbandsmanagers haben die Druckmaschinenhersteller in ihrem gegenseitigen Wettstreit um Größe und Geschwindigkeit von Maschinen seit Jahrzehnten die Rechnung ohne den Markt gemacht und offensichtlich einfache mathematische Berechnungen ignoriert: „Produktivitätssteigerungen von mehr als 10 und bis zu 30 Prozent innerhalb von wenigen Entwicklungsjahren und das gleich mehrfach innerhalb der letzten 15 Jahre, kann kein Absatzmarkt in entwickelten Industrienationen wie Deutschland verkraften“, erläutert Curdt. „Die Maschinenbauer haben den Markt systematisch regelrecht mit Überkapazitäten überschwemmt und die geschulten Vertriebsmitarbeiter sowie das Management haben den kurzfristigen Verkaufserfolg offenkundig höher gewichtet als ein gesundes Wachstum“. „Wenn die verantwortlichen Manager und Inhaber einmal ehrlich zu sich sind, dann werden sie das nicht von der Hand weisen können“, so Curdt weiter.

Das Umdenken und Einlenken des verantwortlichen Managements der Druckmaschinenbauer hat nach Ansicht des Verbandsgeschäftsführers zu spät begonnen, vor allen Dingen im Bereich des Bogenoffsetdrucks. „Jahre, wenn nicht mindestens ein Jahrzehnt oder gar mehr hat man meiner Ansicht nach die falsche Strategie verfolgt, Entwicklungen, wie im Bereich Digitaldruck belächelt, verschlafen oder falsch angegangen. Heute sind die Digitaldruckhersteller die neuen Weltmarkführer“, postuliert Curdt. „Nicht die kleinen Drucker sind schuld, weil sie nicht genug Maschinen gekauft haben, ganz im Gegenteil, manch treuglaubender Betrieb hat weit über seine Verhältnisse und finanziellen Möglichkeiten investiert und sich dabei hoch verschuldet,“ so Curdt weiter. „Im Gegenteil, sie müssen es jetzt ausbaden, dass sie sich für die Maschinen von manroland entschieden haben.“

Die Bogenoffsetmaschinen sind nach Ansicht von Curdt auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt jetzt doch wohl deutlich weniger Wert und stehen zum Teil gleichzeitig höher in den Bilanzen. Welche Risiken noch in Leasingverträgen schlummern kann man ebenfalls nicht vorhersehen. Auch der Service wird sicherlich leiden.

Curdt: „Es geht um viel Geld, Geld, dass viele KMU-Betriebe, immerhin mehr als 80 Prozent der Branchenunternehmen, mit harter Arbeit Tag für Tag erwirtschaften müssen. Daran dachte man bei manroland wohl leider zu wenig, Schade!“.

Gleichzeitig fordert der Verband die Politik dazu auf, keine Subventionen und Bürgschaften für vermeintlich überflüssige Strukturen auszugeben, sondern wenn, dann Bürgschaften dazu zu verwenden, dass den betroffenen Kunden geholfen werden kann, etwa durch Aufrechterhaltung eines wenigstens zeitlich befristeten Service- und Ersatzteilgeschäftes und durch Ausfallbürgschaften bei möglichen Buchwertverlusten in den Bilanzen der Drucker.

www.vdmnrw.de
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