Aus den Unternehmen
Corona-Virus zwingt drupa zu neuem Termin
Montag 16. März 2020 - Interview mit Sabine Geldermann, Director drupa - Die ursprünglich vom 16. bis 26. Juni diesen Jahres geplante drupa wurde aufgrund des sich weltweit massiv ausweitenden Coronavirus auf den 20. bis 30. April 2021 verschoben. Wir sprachen mit Sabine Geldermann, Director drupa & Global Head Print Technologies Messe Düsseldorf GmbH, über die Auswirkungen, die diese Entwicklung über die Verlegung des ursprünglichen Termins hinaus auf die bedeutendste Plattform für die globale Printbranche haben wird.
Mit Blick auf die globale Ausweitung des Corona-Virus zeichnete es sich in den letzten Wochen bereits ab, was nun Gewissheit ist: Die drupa 2020 wird nicht stattfinden …
Wie kürzlich angekündigt, müssen wir die drupa 2020 aufgrund der verschärften Situation rund um das Coronavirus leider verschieben. Damit folgt die Messe Düsseldorf der Empfehlung des Krisenstabs der Bundesregierung, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Prinzipien des Robert Koch-Instituts zu berücksichtigen. Aufgrund dieser Empfehlung und der zuletzt deutlich gestiegenen Zahl von Infizierten mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) auch in Europa hat die Messe Düsseldorf die Lage neu bewertet. Hinzu kommt die Allgemeinverfügung der Landeshauptstadt Düsseldorf vom 11. März 2020, in der Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 gleichzeitig anwesenden Teilnehmern generell untersagt werden. Um der Verantwortung der Messe Düsseldorf zur Gefahrenabwehr gerecht zu werden, musste das Unternehmen in erster Linie das bei Großveranstaltungen erhöhte Infektionsrisiko minimieren. Maßnahmen zur Minderung des Übertragungsrisikos bei Großveranstaltungen, die das Robert Koch-Institut eindeutig festgelegt hat – wie zum Beispiel eine Belüftung des Veranstaltungsortes, die dem Infektionsrisiko angemessen ist, der Ausschluss von Personen aus Risikogruppen sowie die flächendeckende Einrichtung von Eingangsscreenings, waren praktisch nicht umsetzbar. Auch vergleichbare Maßnahmen waren und sind in Anbetracht der unvorhersehbaren, rasanten Entwicklung und der Größenordnungen der verschiedenen Veranstaltungen von bis zu 60.000 Teilnehmern unzumutbar. Getreu dem Motto embrace the future zeichnet sich die drupa schließlich durch persönlichen, internationalen Kontakt und der Live-Präsentation von Produkten aus. Die Entscheidung, die Messe zu verschieben, wurde daher in enger Abstimmung mit unserem Präsidenten und Trägerverband getroffen, die uns hier klare Rückendeckung signalisieren. Wir freuen uns, schnell einen alternativen Termin vom 20.bis 30. April 2021 gefunden zu haben, sodass alle Beteiligten frühzeitig umdisponieren und sich auf das neue Datum einstellen können.
Welche Schwerpunkte setzt die drupa 2021 und mit welchen Trends und Entwicklungen werden sich die Druckereien in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach am intensivsten beschäftigen müssen?
Die aktuellen Trend- und Fokus-Themen, die für die drupa 2020 definiert wurden, behalten natürlich auch zum Nachholtermin im April 2021 höchste Relevanz. Das sind diverse Megatrends, die unsere Branche bereits beeinflusst haben und beeinflussen werden: Industrie 4.0, datengetriebene Applikationen, Automatisierung, künstliche Intelligenz, autonomes Drucken, Smart Factory, Circular Economy, Nachhaltigkeit und vieles mehr. Die Aussteller präsentieren diese Themen in ihren unterschiedlichsten Segmenten durch Neuerungen und Innovationen auf ihren Ständen. Zusätzlich rückt die drupa die relevanten Zukunfts- und Trend-Themen der Branche mit hochkarätigen Konferenzen in den Fokus: den fünf drupa-Hotspots. Sie werden von renommierten Speakern bereichert, die Entwicklungspotentiale und neue Geschäftsmodelle beleuchten. Die Sonderforen sind der drupa Cube, der Touchpoint 3D fab+print, der Touchpoint Textile, der Touchpoint Packaging und dna (drupa next age). Wir aktualisieren das Programm auf unserer Website für den neuen Termin, wo Sie alle Details zu den einzelnen Vorträgen und Ausstellungen finden werden: events.drupa.de/de.
Worauf liegt der Fokus der Sondershows, die zur drupa stattfinden und welche Kunden möchten Sie damit konkret ansprechen?
Der drupa Cube bietet ein Konferenzprogramm, das dem Motto „educate – engage – entertain“ folgt. In Key Notes, Panels oder Vorträgen treten eine Reihe inspirierender Speaker auf. Die diversen Formate bieten die Möglichkeit für Interaktion und Networking mit allen Beteiligten. Besucher und Aussteller erhalten handlungsorientierte Einblicke in Geschäftstrends, Best Practices für Führungskräfte und Print Futures, die sie mitnehmen können, um sie in ihren eigenen Unternehmen anzuwenden und umzusetzen.
Am Touchpoint 3D fab+print beleuchten Experten aus der AM-Welt (Additive Manufacturing) den sogenannten 3D-Druck und seine vielfältigen Möglichkeiten vom Design über die Produktionsprozesse und Materialien bis hin zu vielen anderen Anwendungsbereichen. In zahlreichen Fachvorträgen von Technologieanbietern und Anwendern erleben die Besucher faszinierende Beispiele erfolgreicher AM-Technologien für die Herstellung von Maschinen- und Ersatzteilen, Werkzeugen, Werbeartikeln und Gebrauchsgegenständen.
Ein weiteres spannendes Trendforum ist der Touchpoint Textile. Hier zeigen Industrieexperten der Ausstellerseite gemeinsam mit dem Institut für Textil und Faserforschung Anwendungen aus verschiedenen Branchen wie dem Textildirektdruck, Siebdruck, Transferdruck und Digitaldruck. Ein neuer Ansatz erwartet die Besucher mit der Digital Textile Micro Factory, einer 3D-Simulation, die direkt mit der Produktion verbunden ist und zeigt, wie Bekleidung auf Anfrage und individuell produziert werden kann eine Modebranche auf dem Weg zur Industrie 4.0.
Der Touchpoint Packaging bietet einen Blick auf visionäre Verpackungslösungen, die sich an den globalen Megatrends orientieren wie wie z.B. demografischer Wandel, Kreislaufwirtschaft, Individualisierung, Personalisierung, Markenintegrität und Sicherheit.
Last but not least stehen im Zentrum des Sonderforums dna (drupa next age) die disruptiven Entwicklungen der Branche. dna ist ein Netzwerkraum, in dem sich Global Player, Start-ups und Schlüsselakteure der Branche produktiv über neue Produktideen, Prototypen und Geschäftsmodelle austauschen können und neue Ansätze, Lösungen und Technologien für relevante Querschnittstechnologien in der Druck-, Industrie-, Funktions- und Verpackungsindustrie präsentieren.
Mit der Think Smart Factory in Japan wurde ein Messeevent ins Leben gerufen, bei dem Integration und geschlossene Prozessketten Herstellerübergreifend demonstriert wurden. Wird ein solches Konzept auch auf der drupa 2021 fokussiert werden?
Eine durchgängige Prozesskette können Besucher bei uns in der Digital Micro Factory des Touchpoint Textile erleben. Zum ersten Mal zeigen die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) auf der drupa in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie live eine voll vernetzte Supply Chain – vom Kunden bis zum fertigen Produkt. Zu den Partnern zählen sowohl Aussteller der drupa sowie branchenübergreifende, innovative Unternehmen. Als Treiber für den Erfolg gilt hierbei die Kombination aus Agilität, Kreativität, Flexibilität und Realisierung. Wir zeigen in einer Fashion Linie Kreativität, Kundeninteraktion, digitalen Zwilling, Virtualität und vernetzte Produktion.
Die Fashion-Industrie funktioniert hier als Beispiel in der Druckbranche. Auch sie wird virtueller, physische Muster können im Kontext von On Demand Prozessen für Kunden visualisiert und deren Integration in die Micro Factory über neue Möglichkeiten der Digitalisierung und der direkten Kundeneinbindung gezeigt werden. Neue Ansätze verbinden 3-D Bekleidungssimulation mit einer direkteren Datenübergabe in Virtual und Augmented Reality (VR / AR) – auch auf eigener Hardware – sowie der direkten Integration von digitalem Textildruck und Zuschnitt, Farbmanagement und einer vernetzten Konfektion. Die Micro Factory eröffnet neue Geschäftsmodelle: flexible und lokale Produktion mit geringen Auftragsmengen sowie einen schnellen Weg zu maßgeschneiderter Kleidung bei gleichzeitiger Berücksichtigung von aktuellen Trends und Kundenbedürfnissen.
Zusätzlich werden auch einige Aussteller – teils in Partnerprojekten (z.B. Paperflow aus Italien) – Prozessketten individuell in den verschiedenen Hallen darstellen. Mit der aktuellen Basis, die wir bis dato für die Aufplanung der Ausstellerhallen und unsere Sonderforen gemeinsam mit Partnern geschaffen haben, verfügen wir über ein exzellentes Fundament für die weiteren Planungen mit Blick auf die drupa im April 2021.
Frau Geldermann, wir danken Ihnen vielmals für das interessante Gespräch!


