Verpackung
Verpackungsindustrie zwischen Stabilität und wachsender Unsicherheit
Donnerstag 26. März 2026 - Die Mitgliedsunternehmen des Industrieverbandes Papier- und Folienverpackungen (IPV) blicken auf ein wirtschaftlich durchwachsenes Jahr 2025 zurück. Das zeigt die aktuelle Branchenumfrage unter den Mitgliedsunternehmen. Während die Ertragslage bei vielen Betrieben stabil bleibt, sorgen eine schwache Konjunktur, steigende Kosten und extreme Regelungsdichte bis hin ins kleinste Detail, für Unsicherheit bei Investitions- und Geschäftserwartungen. Gleichzeitig - und das ist immerhin ein gutes Zeichen - bleibt die Branche in einzelnen Marktsegmenten und regionalen Märkten wachstumsfähig.
Neben Rohstoff- und Produktionskosten nennen Unternehmen zunehmend zusätzliche Belastungen durch Bürokratie, steigende Personalkosten, Logistik sowie Steuern und Abgaben. Rund 44 % der Befragten erwarten in diesen Bereichen weitere Kostensteigerungen. „Vor allem die europäische Regulierungsflut, wie die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) oder die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), werden von unseren Unternehmen weiter kritisch gesehen. Und beim Thema Litteringgebühren erwarten wir mehr Chaos als Lösung“, erklärt IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger und ergänzt: „Die Betriebe kritisieren vor allem eine weiter ausufernde Dokumentations- und Nachweispflicht sowie weiteren zusätzlichen administrativen Aufwand. Unser Land ist überreguliert und derzeit wenig wirtschaftsfreundlich. Entscheidend für die Entwicklung der Branche werden stabile wirtschaftliche Perspektiven und verlässliche politische Rahmenbedingungen.“ Die anonym durchgeführte Branchenumfrage zeigt : Eine deutliche Mehrheit von fast 90 Prozent der Befragten sieht ihre Erwartungen an die aktuelle Bundesregierung bislang mehr als enttäuscht.Renditen überwiegend stabil, Umsätze uneinheitlich.
Die Ertragslage der Unternehmen hat sich im Jahr 2025 insgesamt als robust erwiesen. Die Hälfte der befragten Unternehmen (50 %) erzielte eine Rendite von mehr als zwei Prozent. Gleichzeitig berichteten 20 % von einer Rendite unter 0,5 %, weitere 20 % lagen unter einem Prozent. Deutlich heterogener entwickelte sich dagegen der Umsatz. Vier von zehn Unternehmen verzeichneten einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr. 20 % meldeten ein moderates Wachstum von unter zwei Prozent, während 30 % einen Umsatzanstieg von mehr als zwei Prozent erreichen konnten. 70 % der Unternehmen gaben an, dass gestiegene Rohstoff- und Produktionskosten die Umsatzentwicklung spürbar beeinflusst haben.
Beschäftigung weitgehend stabil – Fachkräftemangel leicht entspannt
Bei der Beschäftigung zeigt sich ein gemischtes Bild: 40 % der Unternehmen meldeten einen Rückgang der Mitarbeiterzahl, während jeweils 30 % eine stabile Beschäftigtenzahl beziehungsweise einen Personalaufbau verzeichneten. Für 2026 rechnen immerhin 22 Prozent der Befragten, dass sie ihr Personal wahrscheinlich reduzieren werden. Der Fachkräftemangel hat sich gegenüber dem Vorjahr etwas entspannt. Nur noch 20 % der Unternehmen berichten aktuell von Engpässen, während 80 % keine größeren Schwierigkeiten sehen. Dennoch bleibt die Nachwuchsgewinnung eine Herausforderung: Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen konnte alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Hauptgrund dafür sind fehlende oder ungeeignete Bewerbungen.
„Unsere Unternehmen wollen Verlässlichkeit!“
Die Investitionstätigkeit entwickelte sich im Jahr 2025 unterschiedlich. 40 % der Unternehmen erhöhten ihre Investitionen, während 30 % auf Vorjahresniveau investierten und 20 % ihre Investitionen reduzierten. Beispiele aus der Branche reichen von neuen Produktionsmaschinen bis hin zu energetischen Maßnahmen wie Photovoltaikanlagen. Für das Jahr 2026 planen viele Unternehmen insgesamt vorsichtiger: Die Hälfte der Befragten (50 %) rechnet mit sinkenden Investitionen, während 40 % höhere Investitionen planen und 10 % von einem gleichbleibenden Niveau ausgehen. IPV-Vorstandssprecher Jens Vonderheid macht deutlich: „Der entscheidende Faktor für Investitionsentscheidungen sind stabile politische Rahmenbedingungen. Alle befragten Unternehmer betonen, dass verlässliche, langfristige gesetzliche Rahmenbedingungen viel wichtiger sind als spontan beschlossene Förderprogramme. Unsere Unternehmen wollen Verlässlichkeit.“
Geschäftserwartungen bleiben gedämpft
Der Blick auf das Jahr 2026 fällt entsprechend zurückhaltend aus. 40 % der Unternehmen erwarten eine schlechtere Geschäftsentwicklung als im Vorjahr, weitere 40 % gehen von einer gleichbleibenden Lage aus. Lediglich 20 % rechnen mit einer Verbesserung. Als große Risiken nennen die Unternehmen eine schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung, hohen Wettbewerbs- und Preisdruck sowie steigende Energie- und Standortkosten. Zudem sehen 70 % der Befragten weltpolitische Entwicklungen – etwa Handelskonflikte oder Zölle – als mögliche Belastung für die Branche. Gleichzeitig sehen einzelne Unternehmen Chancen durch stärker nachgefragte recyclingfähige Verpackungen und transparente Lieferketten. Die Umfrage wurde noch vor dem aktuellen Iran-Konflikt durchgeführt. Die daraus entstehenden mögliche Auswirkungen auf die Lieferketten und Energiepreise sind daher nicht inkludiert.


