Aus den Unternehmen
Eine Druckerei-Fusion ohne Druck
Mittwoch 26. August 2026 - Am 24.8.2026 schlossen sich zwei niederrheinische Medienunternehmen zusammen und vereinen damit Unternehmensgeschichten aus über 250 Jahren.
Das eine Unternehmen startete 1907 in Straelen mit einer Buchhandlung, inklusive Anzeigenannahme, Spielzeugverkauf und einem kleinen Drucktiegel. Das andere legte bereits 1890 in Brüggen los, mit einem Schreibwarengeschäft, einer aushängenden Tageszeitung und zwei Buchdruckmaschinen. Von außen betrachtet müssen beide Geschäfte sehr ähnlich ausgesehen haben. Eine technische Ewigkeit später verschmelzen hier acht Generationen Familienbetrieb zu etwas Neuem.
Die gute Nachricht: Sowohl die in Straelen und Moers ansässige Keuck Medien GmbH & Co. KG als auch die in Brüggen verortete Schmitz Druck & Medien GmbH & Co. KG sind völlig gesund. Das unterscheidet sie von vielen Mitbewerbern: Allein zwischen 2021 und 2023 wurden deutschlandweit 166 Insolvenzverfahren in der Druck- und Medienwirtschaft eröffnet. Die Gründe sind vielschichtig, der Trend eindeutig. Schmitz und Keuck trotzen offensichtlich diesem Trend.
Fusion, aber warum?
2021 starb der langjährige Kopf der Brüggener Druckerei; sein Sohn war lange Teil der Geschäftsleitung, der Generationswechsel längst vollzogen. Und dann? „Ich habe mir bis zu diesem Zeitpunkt nie Gedanken gemacht, was ist, wenn mir etwas passiert“, erzählt der heutige Geschäftsführer Marko Schmitz. Das 62 Mitarbeiter starke Unternehmen ist so aufgestellt, dass die Strukturen einen möglichen Ausfall auffangen – und doch blieb die bohrende Frage nach dem: Was dann? In Straelen lag der Fall anders: Die Auftragslage war gut – beinahe zu gut. Und doch fehlte dem 22 Mitarbeiter zählenden Unternehmen etwas, das am Ort nicht existierte: Platz. Platz für Werbe- und Druckmaterial, Lagerfläche, Möglichkeiten zur Expansion. „Und wir waren im Bereich des Offsetdrucks einfach zu klein“, ergänzt Sebastian Keuck.
Bereits 2004 lernten sich Schmitz und Keuck auf einer Veranstaltung des Druckereiverbands kennen. Die Chemie stimmte sofort. Es gab immer wieder gemeinsame Ideen, kleinere Kooperationen und gemeinsame Projekte. Natürlich, denn die Leistungen überschneiden sich: Es gibt große Druckmaschinen im Offsetdruck, mehrere Digitaldrucksysteme, eine riesige Peripherie an Spezialmaschinen und auf beiden Seiten ein ungewöhnlich starkes Team aus insgesamt 14 Grafikern und Mediengestaltern. Dazu Fahrzeugbeschriftungen für große Flotten und noch viel mehr. Und doch hat jeder seine Kunden im weiten Umkreis. Bis nach Berlin und Thüringen, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden.
Auf zu neuer Größe
Nun also die Fusion, bei der Straelen nach Brüggen zieht. Hier gibt es 3.500 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche, einen hochmodernen Maschinenpark, ein Hochregal- und Picking-Lager und noch einmal 3.000 Quadratmeter Erweiterungsfläche. Der Moerser Standort von Keuck bleibt für die Werbetechnik und Flottenbeschriftung bestehen. Und: Alle Mitarbeitende bleiben. Damit gehört die zukünftige Schmitz Keuck Medien GmbH & Co. KG zu den großen Playern auf dem bundesdeutschen Druckereimarkt. 93 Prozent aller Wettbewerber sind kleiner.
Marko Schmitz kann sich noch an Tante Käthe erinnern, die in der ursprünglich 100 Quadratmeter großen Druckerei am Tresen ihres Schreibwarengeschäftes stand und Anzeigen annahm. Mit dieser Fusion geht auch ein großes Stück Familiengeschichte, denn beide Unternehmen müssen sich von liebgewonnenen Stücken trennen: „Natürlich kullern da auch Tränchen, wenn wir eine Maschine verkaufen, die in der Generation meines Vaters acht Kinder ernährte“, erzählt Sebastian Keuck. Und doch ist die Fusion wichtig, weil sie jedem, der dort arbeitet, Sicherheiten bietet – in einer sich ständig wandelnden Medienwelt. Und sie lässt Raum für neue Ideen und künftige Technologien.

