Aus den Unternehmen
Ausweg aus den Papier Preissteigerungen
Mittwoch 05. Januar 2011 - Während des abgelaufenen Jahres 2010 mussten die Druckereien mehrere Preissteigerungen bei Verbrauchsmaterialien verkraften. Schmerzhafte Einschnitte waren durch Preiserhöhungen und Lieferengpässe bei verschiedenen Papiersorten zu verzeichnen.
Konkret machte der Preisanstieg von durchschnittlich sechs bis zehn Prozent jeweils zu Anfang April, Juli und Oktober zu schaffen, die von den Papiergroßhändlern in mehreren Produktsegmenten überwiegend weiter gegeben wurden. Davon berichteten auch viele Mitgliedsbetriebe des Verbandes Druck und Medien Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt e.V. Grundsätzlich mussten sie zwar einräumen, daß der Papiergroßhandel bemüht war, Lieferengpässe durch die Bereitstellung adäquater Produkte in abweichenden Formaten auszugleichen. Dennoch bemängelten sie aufgetretene Probleme bei der Lieferung im zweiten und dritten Quartal. Demnach musste eine bei Leipzig ansässige Druckerei von der Bestellung eines holzfreien Naturpapiers bis zur Lieferung über drei Monate abwarten.
Diese Entwicklung gab jetzt Anlaß für ein Spitzengespräch zwischen Dr. Klaus Schwarz, Vorsitzender des Verbandes Druck und Medien (VDM) Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt e.V., und Bernd Gunkel, Geschäftsführer des Verbandes Ostdeutscher Papierfabriken e.V. (VOP). Hierbei erörterten die Verbandsspitzen mögliche verbesserte Konditionen und Liefermodelle sowie Perspektiven für die Unternehmen beider Branchen. „Unsere Kunden können gar nicht nachvollziehen, wenn die Preise für individuelle Druck-Dienstleistungen steigen, während Online-Druckereien durch aggressive Preis-Rabattaktionen bei Standard-Drucksachen auf sich aufmerksam machen“, berichtete Dr. Schwarz aus der Praxis. „Print-Einkäufer sind gegenüber Preissteigerungen sensibel, sie legen Wert auf Kosten-Kontinuität.Druckereien müssen übers Jahr berechenbar und planbar bleiben, weil sie als Partner sonst uninteressant werden dürften.“ Papiere haben mit durchschnittlich 30 bis 50 Prozent einen hohen Kostenanteil in der Kalkulation, den die Druckereien weder durch höhere Produktivität noch durch reduzierte Margen abfedern können. Mitunter wird der Papierpreis im Angebot künstlich herunter gerechnet, um letztendlich den Zuschlag für den Auftrag zu kommen. Sofern es weitere unvorhersehbare Papier-Preissteigerungen gibt, könnte es so weit kommen, daß immer mehr Kunden auf Print-Dienstleistungen verzichten und stattdessen auf Online-Werbeformen setzen. Damit werde gleichzeitig die Existenz von Papierfabriken, Papiergroßhändlern und Druckereien auf dem Spiel stehen.
„Infolge der weltweiten Rohstoffverknappung und zunehmend höherer Papiernachfrage ist definitiv nicht mit zurück gehenden Preisen zu rechnen“, prognostizierte Bernd Gunkel. Binnen Jahresfrist haben sich die Sulfatzellstoff-Einfuhrpreise um die Hälfte sowie die durchschnittlichen Altpapierpreise zwischen 50 Prozent (Deinkingware) und 100 Prozent (gemischtes, sortiertes und Kaufhaus-Altpapier) erhöht. Außerdem ist die Papierindustrie angesichts hohen Stromverbrauchs von steigenden Kostenbelastungen u.a. durch das neu geschaffene EEG-Umlagegesetz betroffen. Last but not least könne insbesondere die Ertragslage der Papierfabriken absolut nicht zufrieden stellen. „Grafische Papiere wie Pressedruck-Papiere werden von den größeren Firmen produziert, die ganz besonders von der Entwicklung der globalen Rohstoff-Märkte abhängen“, erläuterte Gunkel. Im grafischen Bereich arbeiteten acht Papierfabriken in der ostdeutschen Region. Jedoch könnten sich die Angebote der hiesigen Spezialpapier-Hersteller auch für Druckereien als interessant erweisen. Im Jahr 2010 wurden von 34 Papierfabriken (davon sind 28 Mitglied im VOP) mit 6.370 Arbeitnehmern insgesamt 3,7 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert; diese Menge könnte im Jahr 2011 auf voraussichtlich rund vier Millionen Tonnen gesteigert werden.
Nunmehr gelte es im Interesse der VDM-Mitgliedsbetriebe, seriöse Alternativen zu finden, um den Teufelskreis der Preiserhöhungen zu durchbrechen, meinte Dr. Schwarz. „Unsere Druckereien haben Interesse, auch für Papier ein geeignetes Einkaufssystem aufzubauen, das weitere Spitzenpreise verhindert. So ist das Energie-Einkaufsmodell unseres Verbandes, das variablen Strombezug von diversen Anbietern erlaubt, ein funktionierendes Beispiel.“ Vielleicht ließe sich eine regionale Einkaufsallianz auf freiwilliger Teilnehmer-Basis initiieren, um festgelegte, für die Zertifizierung nach „Prozess-Standard Offsetdruck“ geeignete Papiersorten in Mindestabnahmemengen zu günstigeren Konditionen zu erhalten? Wiederum dürfte ein solcher Einkaufspool geltendes Wettbewerbsrecht nicht verletzen. Könnte eine Marktstärkung durch Lokalisierung erreicht werden, indem Druckereien durch ein Herkunftszertifikat oder Qualitätsgütesiegel „Ostdeutschland“ höhere Preise für ihre Dienstleistungen rechtfertigen? Gemeinsam wurde beschlossen, daß gegenüber dem VOP in anonymer Form offenbart wird, welche Kapazitäten, insbesondere Volumen sowie Papiersorten und -qualitäten die VDM-Mitgliedsbetriebe gewöhnlich benötigen. Diese Analyse dient dem Zweck, durch gegenseitige Kooperation voneinander zu profitieren und Einsparpotenziale beim Papier-Einkauf zu bezahlbaren Preisen auszuloten.


