Verpackung
Verpackungs-EPR: Vom Verpackungslieferanten zum strategischen Partner für Markenunternehmen
Donnerstag 17. September 2026 - Mike Barry, Commercial Director, Digital Printing, Domino: Globale Nachhaltigkeitsvorschriften zur Nachhaltigkeit verändern die Verpackungsstrategien von Markenunternehmen. Verpackungen haben sich deutlich weiterentwickelt - vom einfachen Produktschutz hin zu einem vielseitigen Instrument, das nicht nur den Schutz des Produkts und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gewährleistet, sondern auch der Markenkommunikation und der Kundenbindung dient.
Mit der Einführung der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) und lokaler Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen (EPR) für die Verpackung sind die Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit von Verpackungen für Markeninhaber verstärkt in den Mittelpunkt gerückt.
Mike Barry, Commercial Director, Digital Printing, bei Domino, erläutert, wie Etiketten- und Verpackungsverarbeiter Markenunternehmen bei ihren Initiativen für recyclinggerechtes Design („Design for Recyclability“) und bei der Einhaltung der EPR-Vorgaben für Verpackungen unterstützen können.
Recycling hat Priorität
Inzwischen verfügen über 70 Länder weltweit über Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen (EPR). Der Umfang der EPR-Regelwerke kann zwar je nach Region variieren, grundsätzlich verlangen die Systeme jedoch, dass sich Markenunternehmen als Hersteller registrieren, ihre Verpackungsmengen melden und EPR-Gebühren entrichten.
Einige EPR-Regelwerke verpflichten Unternehmen dazu, Verpackungsmengen zu reduzieren und die Recyclingfähigkeit zu verbessern. Andere schreiben klarere, standardisierte Recyclingkennzeichnungen vor, damit Verbraucher Verpackungen richtig entsorgen können. Ziel ist es, Verunreinigungen in den Recyclingströmen zu vermeiden und sicherzustellen, dass sämtliche Rezyklate in der Kreislaufwirtschaft weiterverwendet werden können.
Davon sind alle Bestandteile einer Verpackung betroffen, darunter Etiketten, Substrate und Tinten.
Steigende Kosten
EPR-Gebührenstrukturen basieren in der Regel auf dem Gewicht oder der Stückzahl der Verpackungen, wobei die Berechnungsmethoden je nach Region variieren. Einige Länder haben ökologisch gestaffelte Gebührenmodelle eingeführt, die nachhaltigere Verpackungsdesigns und Materialentscheidungen belohnen und einer Gewichtsreduzierung durch den Einsatz weniger umweltfreundlicher Materialien entgegenwirken sollen.
Im Vereinigten Königreich werden Verpackungsabfälle im Rahmen der ökologischen Gebührenstaffelung anhand der Recyclability Assessment Methodology (RAM) in einem Ampelsystem eingestuft. Für Materialien, die in großem Umfang recycelt werden, fallen niedrigere Gebühren an, während für schwerer recycelbare Materialien höhere Kosten entstehen. Ungünstige Entscheidungen bei Tinten oder Materialien können ansonsten recyclingfähige Verpackungen abwerten. Dies führt zu höheren Gebühren für Marken.
Da Verpackungsdesign und Materialentscheidungen unmittelbar mit Kosten, Recyclingfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit am Markt verknüpft werden, ist klar, dass EPR für Markenunternehmen weit mehr ist als eine bloße Formsache.
Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern und Gebühren senken
Etiketten- und Verpackungsverarbeiter spielen eine zentrale Rolle dabei, Markeninhaber bei der Reaktion auf sich wandelnde regulatorische Anforderungen zu unterstützen und zugleich nachhaltigere, kreislauffähige Verpackungslösungen zu ermöglichen.
Über die Berichtspflichten hinaus veranlassen die EPR-Vorgaben für Verpackungen und die PPWR viele Markenunternehmen dazu, ihre Verpackungen nach den Grundsätzen des recyclinggerechten Designs neu zu gestalten. Dazu gehören die Umstellung auf weithin recyclingfähige Verpackungsmaterialien, die Verwendung kleinerer, leicht ablösbarer Etiketten und die Berücksichtigung der Auswirkungen von Tinten auf die Recyclingprozesse.
Für Verarbeiter ergibt sich daraus eine attraktive Möglichkeit, ihren Kunden zusätzlichen Mehrwert zu bieten, indem sie während des gesamten Prozesses eng mit Markenunternehmen, Verpackungsdesignern und Materiallieferanten zusammenarbeiten. Fundierte Kenntnisse der lokalen EPR-Gebührenstrukturen und PPWR-Anforderungen in Verbindung mit Fachwissen zu Drucktechnologien, Tinten und Substraten bieten die Chance, sich vom Wettbewerb abzuheben. Verarbeiter können Markenunternehmen dabei unterstützen, kosteneffiziente und konforme Verpackungen und Etiketten zu entwickeln und zugleich ihre Marketingziele mit markengerechten Farben und einer hervorragenden Druckqualität zu erfüllen.
In einer Welt, in der Verpackungen inzwischen genauso kritisch geprüft werden wie das Produkt selbst, wird der Zugang zu hochwertigen Informationen über die Materialzusammensetzung für Markenunternehmen zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal bei der Auswahl eines Verpackungslieferanten.
Ein lückenloser Zugang zu Informationen, darunter Materialerklärungen zu Zusammensetzung und Gewicht sowie Konformitätsdokumentationen für Tinten und Klebstoffe, kann die EPR-Berichterstattung von Markenunternehmen grundlegend verändern. Diese Informationen können als Nachweis für Marktüberwachungsbehörden sowie für interne Nachhaltigkeitsaudits dienen und in der EU die Erstellung von Konformitätserklärungen gemäß der PPWR unterstützen.
Digitaldruck als Wegbereiter
Der Fokus auf Recyclingfähigkeit wird sich weiterentwickeln und sowohl Markenunternehmen als auch Verarbeitern ein neues Maß an Flexibilität und Agilität abverlangen. Da sich die PPWR- und EPR-Verpackungsvorschriften noch in der Entwicklung befinden und in den kommenden Jahren neue Initiativen wie digitale Produktpässe eingeführt werden sollen, müssen Marken ihre Verpackungsdesigns schnell anpassen können.
Digitaldrucktechnologien sind der Schlüssel, um Verpackungen schnell an neue Vorschriften anzupassen. Weiterverarbeiter mit Zugang zu Digitaldruckmaschinen können auch kürzere Druckauflagen von Verpackungsvarianten effizient produzieren, beispielsweise Varianten mit regional vorgeschriebenen Recyclingsymbolen.
Der Digitaldruck ermöglicht außerdem die Integration variabler Datenelemente, die eine wesentliche Voraussetzung für digitale Produktpässe darstellen. Markenunternehmen werden gedruckte, häufig serialisierte und GS1-gestützte QR-Codes nutzen, um über eine Website oder App Daten zu Materialien, Recyclingfähigkeit sowie zur Konformität von Produkt und Verpackung bereitzustellen.
Für die Zukunft gerüstet
Zwar ist keine EU-weite Vereinheitlichung der EPR vorgesehen, doch arbeiten die lokalen Behörden daran, ihre Systeme an den Recyclingfähigkeitskriterien der PPWR, den EuPIA-Konformitätsanforderungen und den Grenzwerten für gefährliche Stoffe auszurichten. Auch die Branche selbst, darunter Markenunternehmen, Hersteller und Standardisierungsorganisationen wie GS1, fördert eine größere Einheitlichkeit bei Daten, Berichterstattung und Verpackungsdesign.
Verpackungen werden für Markenunternehmen zunehmend zu einem regulierten Wirtschaftsgut, Datenträger und Kostentreiber. Wenn Markenunternehmen in zukunftsfähige Verpackungen investieren, sind diejenigen Verarbeiter im Vorteil, die mit den lokalen EPR-Vorschriften für Verpackungen und den neuesten Entwicklungen bei recyclingfähigen Materialien vertraut sind und detaillierte Dokumentationen bereitstellen können.

