Verpackung
Auf dem CAMPUS 26 in Meerbusch dokumentierte BOBST seinen ganzheitlichen Anspruch für die Optimierung der Verpackungsproduktion
Montag 13. April 2026 - Vor 35 Jahren wurde die Bobst Meerbusch Vertrieb & Service GmbH gegründet. Anlässlich dieses Jubiläums lud das Unternehmen Hersteller von Verpackungen aus Wellpappe und von Faltschachteln unter dem Motto ‚Innovation erleben. Erfolg gemeinsam gestalten‘ für den 17./18. März zum CAMPUS 26 ein. Weit über 100 Gäste aus der DACH-Region nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit den Experten von BOBST die jüngsten Entwicklungen in der Verpackungsbranche zu diskutieren und in die Zukunft zu blicken.
Der erste Tag war der Wellpappenindustrie, der zweite Tag der Faltschachtelbranche gewidmet. Im Fokus beider Tage standen die Herausforderungen, die Hersteller von Verpackungen aus Wellpappe und Karton tagtäglich in ihrer Produktion bewältigen müssen. So beleuchtete die Veranstaltung unter anderem die Notwendigkeit, kleinere Auflagen von Verpackungsprodukten rentabel herstellen zu können – also schnellere und häufigere Auftragswechsel zu bewältigen. Zudem behandelte sie die Frage, wie Verpackungshersteller die Verfügbarkeit ihrer Prozesse erhöhen, um pro Schicht unterbrechungsfreie Produktionskapazität zu schaffen. Schließlich zeigte sie Möglichkeiten auf, in der Verpackungsherstellung zuverlässig konsistente, wiederholbare Qualität zu produzieren und dem Mangel an qualifiziertem Bedienpersonal zu begegnen.
„In der DACH-Region sind mehrere tausend Maschinen von BOBST installiert, von denen eine Großzahl dank hoher Qualität und Robustheit nach wie vor bei Kunden in Betrieb ist, einige schon mehr als 40 Jahre. Damit ist klar: Wir müssen über Asset Lifecycle Management sprechen. Das ist der Kern dieser Veranstaltung“, so Mark Mc Inulty, Geschäftsführer der Bobst Meerbusch GmbH und verantwortlich für den Vertrieb und Service für die gesamte DACH-Region, in seiner Begrüßung.
Transformation im Rahmen einer Agenda 2030
„Es ist meine Aufgabe, unsere Organisation entsprechend aufzustellen. So haben wir eine ‚Agenda 2030‘ entwickelt, mit der wir unsere Abläufe gezielt weiter optimieren und digitalisieren. Wir verbessern unsere lokale Rufbereitschaft, die Einsatzplanung unserer Servicetechniker und unsere Ersatzteilversorgung. Bis Ende des Jahres werden wir die Zahl unserer Außendiensttechniker um ein Vielfaches erhöhen und unser Innendienst-Team verstärken – vor allem auch im Bereich technischer Service und Customer Care. Zudem stellen wir Datenspezialisten und Analysten ein, die Ihnen mit ihrem Know-how in Sachen Daten-Management zur Seite stehen. Darüber hinaus sind unsere Account Manager künftig sowohl für Vertriebs- als auch für Service-Fragen Ihre Ansprechpartner“, versprach Mc Inulty.
BOBST werde seinen Campus in Meerbusch mit aktuell mehr als 130 Mitarbeitenden in Zukunft auch für die Vorstellung neuer Dienstleistungen und Technologielösungen für die DACH-Region nutzen und an diesen Bedienpersonal der Kunden ausbilden. „Primär ist unser Campus ein Schulungs- und Service-Zentrum“, so Mc Inulty. Bei den Services gewinnen Prozessoptimierungen und die Digitalisierung von Prozessen zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel sind Modernisierungen älterer Maschinen oder, alternativ dazu, der Austausch gegen neue, effizientere Maschinen oder Technologie.
Die Ganzheitlichkeit dieses Angebots spiegelte sich in der Agenda der Veranstaltung wider, die von Digital Solutions Manager Manfred Bauer moderiert wurde. So zeigte das Team von Bobst Meerbusch den Besucherinnen und Besuchern anhand von Vorträgen, Live-Demos von Maschinen, Präsentationen zu neuen Dienstleistungen und Technologielösungen sowie ‚Fokusstationen‘ eine Vielzahl von Stellschrauben auf, an denen sie ganzheitlich ihre Prozesse oder gezielt einzelne Arbeitsschritte optimieren können. Produktivität, Effizienz, Qualität, Wiederholgenauigkeit, Flexibilität und rentable Produktion sowohl großer als auch kleinerer Aufträge – diese Stichworte zogen sich wie ein roter Faden durch die CAMPUS 26-Veranstaltung.
Innovation als Antwort auf den globalen Wettbewerb
„Deutschland und die DACH-Region bleiben der Kern der industriellen Entwicklung in Europa, und die von Mark Mc Inulty und seinem Team entwickelte Strategie für diesen Markt ist der richtige Weg. Ich hoffe, Sie werden das widergespiegelt sehen in dem, was Sie in den nächsten zwei Tagen hier erleben“, so BOBST-CEO Jean-Pascal Bobst. „Verpackungen werden ihre Bedeutung behalten. Es ist Ihre und unsere Aufgabe, die Zukunft der Verpackungsindustrie gemeinsam zu gestalten und die besten Lösungen zu entwickeln.“ Entscheidende Schlüssel dazu seien neben der Automatisierung die intelligente Nutzung von Prozess- und Maschinendaten. BOBST arbeite hierzu an vielen Entwicklungen. Deshalb brauche das Unternehmen keine Angst vor Lieferanten aus China zu haben.
Einige Innovationen wurden in Meerbusch vorgestellt. Ein Highlight war der komplett neu entwickelte Inliner VISIONFFG 1024. Bei ihm handelt es sich um eine kompakte und effiziente Komplettlösung speziell für die Standard-Produktion mittelgroßer bis großer RSC-Boxen. Beispiele sind Faltkisten für Getränke und E-Commerce-Verpackungen. „Gerade einfache Stanzverpackungen mit einfachem Druck sind preislich stark umkämpft. Gleichzeitig müssen sie hohe Anforderungen an die Faltqualität und Stabilität erfüllen. Die VISIONFFG 1024 ist hierfür eine ideale Maschine. Sie verarbeitet Qualitäten von E-Welle bis Doppelwelle“, stellte Key Account Manager Salin Hunt fest. So minimiert dieser Inliner mit seiner Technologie und servo-gesteuerten Inline-Architektur die Prozessvariabilität, er maximiert die Steuerbarkeit und er garantiert langfristig hohe mechanische Zuverlässigkeit. Und er ist kompatibel mit dem Prefeeder sowie den Palettiersystemen von BOBST. Noch in diesem Jahr soll eine VISIONFFG 1024 im Campus in Meerbusch zu Demo- und Schulungszwecken installiert werden.
Serge Gresser, Technical Sales Manager im Bereich Faltschachtel-Klebemaschinen, stellte innovative Features für die Wellpappenverarbeitung am Beispiel der MASTERFOLD vor. Unter anderem galt das für die Möglichkeit, den Transfer und die Auslage der Faltschachtel-Klebemaschinen vollautomatisch einzustellen, womit diese Maschinen neue Standards in Sachen Leistung, Bedienkomfort und -sicherheit, Automatisierung und Qualität setzen können. Darüber hinaus lassen sich diese Maschinen mit innovativen Robotik-Lösungen integrieren, was eine weitgehend automatisierte Verpackungsproduktion erlaubt.
BOBST Connect entscheidet zunehmend über die Produktivität
Hand in Hand mit der reduzierten Arbeitsbelastung für die Bediener gehen bei Maschinen von BOBST Zeitgewinne, die wiederholbare Maschineneinstellungen über Auftragsrezepturen ermöglichen. Diese Rezepturen lassen sich mit der neuen Job & Recipe Management Workflow-Funktion von BOBST Connect vorab in der Arbeitsvorbereitung generieren und über BOBST Connect einschließlich der Produktinformationen sowie der Fertigungsreihenfolge direkt in die Maschinensteuerungen übergeben. So können die Einrichtezeiten vor Ort an den Maschinen reduziert werden. Das Ergebnis ist deutlich höhere Produktivität. Zudem werden die Bediener an ihren Maschinen entlastet.
Die Digitalisierungsplattform BOBST Connect spielt in der Realisierung der Unternehmensvision zur Zukunft der Verpackungsproduktion eine zentrale Rolle, die auf die Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung und verbesserte Nachhaltigkeit der Verpackungsbranche baut. BOBST Connect ermöglicht die Vernetzung der Produktionsanlagen und deren Datenintegration. Die angebundenen Maschinen können über BOBST Connect nicht nur direkt aus der Arbeitsvorbereitung ihre Produktionsdaten erhalten. Sondern sie melden auch alle Kennzahlen live in diese Plattform zurück. Also unter anderem ihre Geschwindigkeiten, Störmeldungen oder ihren Stromverbrauch. Egal, ob PC, Tablet oder Smartphone – BOBST-Kunden können auf die Daten über die Browser ihrer Endgeräte zugreifen. Damit verfügen sie stets über eine digitale Kopie ihrer Produktion, was eine in der Verpackungsherstellung bislang nicht gekannte Transparenz mit sich bringt. Zudem lässt sich BOBST Connect über Standard-Schnittstellen mit der IT der Kunden integrieren – also unter anderem mit ihren ERP-, MES- und BDE-Systemen.
Live-Demonstrationen
Auf dem CAMPUS 2026 demonstrierte Bobst Meerbusch drei Maschinen im Live-Betrieb. Bei den ersten beiden Demos standen nicht die Maschinen selbst, sondern Aspekte der Prozessoptimierung im Vordergrund.
So lag bei einer MASTERCUT 1.7 aus dem Jahr 2013 ein Fokus auf dem Re-Manufacturing, also der Modernisierung älterer Maschinen. Technology Sales Director Denis Jahn: „Sie sehen hier typische Komponenten, die unsere Techniker bei Flachbettstanzen gegen Original-Ersatzteile von BOBST austauschen: unter anderem die Tiegel, Bronzeräder, Schnecken und Kugelwellenlager. Darüber hinaus erneuern wir die Elektronik und nehmen Sicherheits-Upgrades vor. Damit verlängern wir die Lebensdauer der Maschinen und heben sie auf ein höheres Leistungsniveau.“ Tobias Impelmann, in der DACH-Region für digitale Lösungen verantwortlich, präsentierte bei dieser Demo anhand des BOBST Connect Data Kits, wie sich ältere Maschinen von BOBST und sogar Maschinen anderer Hersteller über bereits vorhandene BDE-Systeme an BOBST Connect anbinden und damit in die neue Datenwelt überführen lassen. Somit können Kunden ihre Prozessdaten in einer einheitlichen und skalierbaren Datenstrategie integrieren.
Auch bei der Live-Demo der seit 2021 in Meerbusch zu Schulungszwecken installierten Faltschachtel-Klebemaschine EXPERTFOLD 110 lag der Schwerpunkt auf Leistungssteigerungen. Hier wurde anhand eines Umrüstprozesses von einer Längsnahtschachtel auf eine Faltbodenschachtel aufgezeigt, wie sich dieser Arbeitsschritt beschleunigen und vereinfachen lässt. Ein Weg dazu ist die Standardisierung der auftragsbezogenen Maschineneinstellungen. Diese ermöglichen Analysen der Produktionsdaten, die von der EXPERTFOLD 110 in BOBST Connect rückgemeldet werden.
Andreas Klein und Thomas Neumeister von Bobst Meerbusch stellten das in ihrer Demo am Beispiel von Mikro-Stopps vor, also ungeplanten Maschinenstillständen, die unter anderem von Materialstaus hervorgerufen werden – und häufig ein Ergebnis fehlerhafter Einstellungen sind. „Anhand der über BOBST Connect visualisierten Daten werden die Ursachen erkennbar. Ihre Analyse ermöglichen die Optimierung der Daten, die wir anschließend in die Maschine zurückspielen. Im Ergebnis kann das dazu führen, dass der Umrüstprozess bei einem solchen Job lediglich noch 20 Minuten beansprucht und der Abfall auf unter zehn Schachteln reduziert ist“, formulierte Neumeister den Effizienzgewinn. Auch hier kann die Offline-Erzeugung der Auftragsrezepturen weitere Zeitgewinne mit sich bringen. „Indem wir die Werkzeuge von Faltschachtel-Klebemaschinen standardisieren, optimieren wir auch komplexere Umrüstprozesse“, ergänzte Klein.
Am zweiten Tag folgte die Live-Demo der Flachbettstanze VISIONCUT 106 LER mit ACCUREGISTER und dem Booster-Paket von BOBST. Dieses feierte hier in dieser Form Weltpremiere. In Kombination mit dem Job Recipe Management erhöht es deutlich den Automatisierungsgrad der Maschine, womit auch hier die Rüstprozesse verkürzt, die Bediener entlastet und die Verfügbarkeit der Maschine erhöht werden. Zum Beispiel werden jetzt auch der Anleger und der Bändertisch über die Matic-Steuerung anhand der Auftragsdaten automatisch eingestellt. Darüber hinaus erhöht das Booster-Paket die Laufleistung der Stanze von 8.000 Bogen auf 8.500 Bogen pro Stunde.
Ein weiteres Leistungsmerkmal dieses Pakets ist mit ACCUPLATEN die Möglichkeit, die Rüstzeiten im Zurichten drastisch zu verkürzen. Gleichzeitig kann mit ACCUPLATEN bei vielen Jobs mit geringerem Stanzdruck gearbeitet werden, womit die Stanzwerkzeuge weniger abgenutzt werden. Reduzierte Arbeitsbelastung für die Bediener, höhere Produktivität und niedrigere Werkzeugkosten: durch signifikante Prozessverbesserungen ermöglicht das Booster-Paket eine effizientere und nachhaltigere Produktion.
Rundes Informationsangebot
Weitere Highlights der Agenda waren ein Interview mit FFI-Präsident Christian Schiffers und die Präsentation ‚Price with Confidence‘ von Thomas Othax, Gründer und CEO des BOBST-Partnerunternehmen Packitoo. Er zeigte auf, wie Verpackungshersteller mit der von seinem Unternehmen entwickelten Software-Lösung HIPE im Verlauf von Kundengesprächen datengestützt Produktionsaufträge genauer kalkulieren und somit ihren EBIT verbessern können.
An den Fokusstationen konnten sich die Gäste in der Tiefe mit verschiedenen weiteren Möglichkeiten für Prozessoptimierungen sowie digitalem Daten- und Life-Cycle-Management beschäftigen. Das betraf zum Beispiel Leistungsverbesserungen im Stanzprozess durch High-Performance-Stanzwerkzeuge, die von zertifizierten BOBST-Stanzwerkzeugherstellern produziert werden. CITO präsentierte hier konkrete Umsetzungsbeispiele. Kurz: Die Besucherinnen und Besucher des CAMPUS 26 konnten aus dem Vollen schöpfen – was bei ihnen ausgesprochen positive Resonanz fand.



